Fliegerbombe

Kurzgeschichte

Vor acht Monaten ist Mira in die große Stadt gezogen, des Jobs wegen. Zehn, elf, zwölf Stunden sitzt sie täglich im Büro. Doch eines Tages passiert etwas Ungewöhnliches: Bei Straßenbauarbeiten wird eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Das Gebäude wird evakuiert. Mira lässt sich durch die Stadt treiben …

Veröffentlichung: Sommer 2017 im „Förderband 16“ des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg

 

„Ein Zischen und ein Heulen war das.“

Mira sah zur Seite. Neben ihr stand ein Mann, das Gesicht zerknittert wie altes Leder. Ein säuerlicher Geruch ging von ihm aus. Auf seinem Kopf thronte eine Baseballkappe, Strähnen grauen Haares lugten darunter hervor. Der Mann stopfte eine Plastikflasche in einen Trolley.

„Bitte?“, fragte Mira.

„Als die Bomben gefallen sind. Ein Zischen und ein Heulen. Ich hab’s noch heute im Ohr.“

„Oh“, sagte Mira.